Frei nach Loos
Das Bauhaus Dessau ist eine der Geburtstätten der klassischen Moderne. Jeder kennt den Stil des Bauhauses, jeder kennt mindestens einen Architekten dieser Bewegung und jeder kennt mindestens einen der damals enstandenen Designklassiker. Kaum eine Bewegung hat so viel an unserer Auffassung von Architektur und Design verändert. Heute werden zukünftige Architekten, Innenarchitekten und Designer nach der Farblehre von Itten, einen der damaligen Meister unterrichtet. Viele Erkenntnisse und Gestaltungsgrundsätze haben hier ihren Ursprung.
Schon das nach Plänen von Walter Gropius gebaute Bauhaus Dessau in dem die Kunst-, Design- und Architekturschule unter einem Dach vereinigt wurden ist ein Beispiel für die Experimentierfreudigkeit und die Innovationskraft der Architekten und Künstler dieser Gruppe.
Bauhaus Dessau
Auch in einer Zeit von verglasten gigantischen Wolkenkratzern fasziniert die Raffinesse und Detailverliebtheit, die bei der vorgehängten Glasfassade der Werkstätten zu Tage tritt. Ein System aus mechanisch bedienbaren Lamellen macht die Be- und Entlüftung der Räume hinter der großen Glasfläche möglich. Sie gibt den Werkstätten eine Atmosphäre von Freiheit und lässt Innen und Außen langsam miteinander verschmelzen. Der Zusammenschluß von Architektur und Handwerk, auch heute noch ein großes Ziel in der Lehre, machte es erst möglich, dass Meister und Bauhaus-Werkstätten gemeinsam einen großen Teile der Einrichtung, wie die von Marcel Breuer entworfene Bestuhlung des Hörsaals oder die Lampen von Max Krajewsky, selbst geplant und gebaut haben. Auch die Möbelstoffe und Vorhangstoffe entstanden in der eigenen Weberei. Selbst die Beschriftungen kamen aus der Reklamewerkstatt und die Farbgestaltung wurde von der Werkstatt für Wandmalerei durchgeführt.
Meisterhäuser
Die Meisterhäuser, auch von Gropius geplant wurden in der Nähe des Bauhauses gebaut. Man wollte Studenten, die im Bauhaus selbst untergebracht waren und Professoren, die "Meister" auch nicht räumlich trennen, das sollte die Verbundenheit fördern. Auch sie waren sowohl Unterkunft als auch Musterhäuser für das moderne Wohnen. Ganz ausgereift war die angestrebte Gleichstellung unter den Meistern doch nicht, denn Gropius, lange Leiter der Schule gönnte sich ein freistehendes Haus, während die anderen Professoren in Doppelhäusern wohnten. Wie bei so vielen Vorkriegsbauten kann man auf der Exkursion nicht mehr alle Häuser sehen. Gropius' Einzelhaus und ein der Doppelhaushälften wurden im Krieg zerstört. Die anderen noch bestehenden hat man aber aufwendigst für die Besucher renoviert.
